HWS-Therapie

Wenn der Tinnitus durch eine Funktionsstörung der Halswirbelsäule verursacht wurde, nimmt der Betroffene ein einseitiges Ohrgeräusch wahr. Dieses ist als tiefes Brummen oder Rauschen zu hören, das mit einer Kopfdrehung häufig beeinflusst werden kann. Schwindel begleitet oft den Tinnitus der Halswirbelsäule. Auch zu Hörstörungen kann es kommen.

Wichtig ist die gezielte Diagnostik der Wirbelsäule. Zur Diagnostik und Behandlung ist daher ein Team aus HNO-Ärzten, Orthopäden, Schmerztherapeuten, Atlastherapeuten und Physiotherapeuten vorhanden, um mögliche Störungen zu erkennen und effizient zu behandeln. Diese Therapie erfolgt ambulant und heimatnah.

Tinnitus durch Kiefergelenk- und HWS - Beschwerden

Mit dem Kiefergelenk, der vertikalen Kieferrelation (räumliche Lagebeziehung des Unterkiefers zum Oberkiefer) sowie der Kaumuskulatur besteht bei regelrechter Anatomie und Funktion ein Gleichgewicht mit einem schmerzfreien, reibungslosen Bewegungsablauf.

Ist eine der Komponenten gestört, entsteht eine Disharmonie im Bewegungsablauf - Schmerzen beim Kauen oder im Kiefergelenk werden durch «neue» Verschiebebewegungen des Kiefers kompensiert oder dekompensiert. Dies wiederum führt meist zur Projektion der Schmerzen in angrenzende Regionen des Kopf-Hals-Bereiches mit möglichen Symptomen wie Ohrenschmerzen, Schwindel, Hörstörungen oder Tinnitus bis hin zu Verspannungen im Bereich der HWS.

Auch Behandlungen, Entzündungen, Traumata oder Frakturen im Kieferbereich/Kiefergelenk, Zähneknirschen oder das Aufeinanderpressen der Zähne können für die o.g. Symptomatik von Bedeutung sein und sollten bei auftretendem Tinnitus weiter abgeklärt werden.

Eine nachgewiesene Funktionsstörung des Kausystems (craniomandibuläre Dysfunktion – CMD) führt immer zur Blockierung der oberen HWS und kann auch von dort aus Tinnitus auslösen. Von Bedeutung ist hier aber auch die Wechselwirkung: Besteht eine Blockade oder funktionelle Störung im Bereich der oberen HWS , kann dies Einfluss auf die Funktion und das Gleichgewicht des Kauapparates haben.

Der Zusammenhang von einer aus dem Gleichgewicht geratenen Kieferbewegung, schmerzkompensierender Körperhaltung, besonders im Nacken- und Schulterbereich, und Tinnitusentstehung liegt also nahe.
Da die Ursachen, Symptome und Erscheinungsbilder des Tinnitus sehr mannigfaltig und vor allem individuell sind, kann an dieser Stelle kein allgemeingültiges Behandlungsschema angegeben werden. Es ist also notwendig, dass eine interdisziplinäre Diagnostik und Abklärung durch Spezialisten erfolgt und auf der Basis der Befunde eine individuell abgestimmte Therapie eingeleitet wird.

Der Beitrag basiert auf Informationen aus folgenden Quellen:
Hülse, Neuhuber, Wolff: Die obere Halswirbelsäule. Pathophysiologie und Klinik.
Springer Verlag 2005
Deutsches Ärzteblatt, 7/1997. Tinnitus aus Sicht der Zahnmedizin.
Dr. med. Dr. med. dent. Thilo Prochno
Chefarzt MKG-Chirurgie/Plastische OP/Fachzahnarzt Oralchirurgie
Helios Klinikum Bad Saarow
D-15526 Bad Saarow